Taktische Ventilation – wat is dat nu allwedder? Hyperventiliert da jemand? Nein, das nicht. Bei der taktischen Ventilation, welche man auch als „Entrauchung“ bezeichnen könnte, handelt es sich um den gezielten und koordinierten Einsatz von natürlichen oder mechanisch erzeugten Luftströmen durch uns von der Feuerwehr, um Brandrauch und Hitze aus einem Gebäude abzuführen.

Wie das funktioniert? Das erläuterten unser stellvertretender Wehrführer Brandmeister Lars Schell (auf dem Foto vorne links) und unser Zugführer Oberlöschmeister Timo Baldowsky (vorne rechts) bei einem unserer letzten Dienste anhand eines so genannten Rauchhauses (Foto). Das ist ein Modellhaus aus Plexiglas, welches den Aufbau eines Gebäudes mit mehreren Räumen, Etagen und einem Treppenhaus maßstabsgetreu nachbildet. Mithilfe eines Rauchgenerators wurde das Innere des Hauses verraucht und es konnten von Lars und Timo verschiedene Belüftungstaktiken simuliert werden.

Und wozu das alles? Ziel der taktischen Ventilation, welche eine der zentralen Einsatztaktiken bei der Brandbekämpfung im Innenangriff darstellt, ist in erster Linie die Menschenrettung, und zwar durch Verbesserung der Überlebenschancen vermisster Personen durch rauchfreie Rettungswege. Erreicht werden soll zudem eine Verbesserung der Sicht, um dadurch die Orientierung für die Atemschutztrupps der Feuerwehr zu erleichtern.

Weiteres wichtiges Ziel ist eine schnelle Absenkung der Temperatur im verrauchten oder brennenden Gebäude, um durch Abfuhr thermischer Energie Brandphänomenen wie den Flashover, also eine Rauchdurchzündung, zu vermeiden. Des Weiteren sollen Rauchschäden an der Gebäudesubstanz reduziert werden.

Bei der Ventilation werden zwei Arten unterschieden: Einerseits die natürliche Ventilation, also das Nutzen von Winddruck oder Thermik durch das Öffnen von Fenstern und Türen. Andererseits die mechanische Ventilation, also den Einsatz von Geräten: Bei der Überdruckbelüftung erzeugt ein Lüfter vor einer Zuluftöffnung, also etwa einer Tür, einen Luftkegel, der einen statischen Überdruck im Gebäude aufbaut und den Rauch durch eine definierte Abluftöffnung nach außen drückt. Bei der Unterdruckbelüftung hingegen werden Rauchgase mittels eines Lüfters oder durch das Injektor-Prinzip abgesaugt. Und dann gibt es noch die hydraulische Ventilation, also die Nutzung des Sprühstrahls eines Strahlrohrs an einer Fensteröffnung, um Brandgase nach draußen zu reißen.

Mitunter kann es auch erforderlich sein, Türöffnungen abzudichten. Dies erfolgt primär mit einem sogenannten Mobilen Rauchverschluss, der auch „Rauchvorhang“ genannt wird. Ohne diese Abdichtung würde sofort dichter Brandrauch in das Treppenhaus strömen, etwa dann, wenn wir von der Feuerwehr eine Tür zu einer brennenden Wohnung öffnen, um das Feuer zu bekämpfen.

Der Rauchverschluss verhindert das und hält das Treppenhaus als sicheren Fluchtweg für andere Bewohner und als staubfreien Angriffsweg für die Einsatzkräfte offen. Der Rauchverschluss besteht aus einem schwer entflammbaren Tuch, das in einen Metallrahmen gespannt und direkt in den Türrahmen geklemmt wird, wie von unseren Kameraden Lutz Wehrmacher und Sina Heimroth an einer Tür im Feuerwehrhaus demonstriert wurde. Die Einsatzkräfte können unten unter dem Vorhang hindurchkriechen oder den Schlauch durchführen, während der obere Bereich der Türöffnung, wo sich die heißen und giftigen Brandgase sammeln, abgedichtet bleibt.

Wir bedanken und ganz herzlich bei unserem stellvertretenden Wehrführer Lars Schell und unserem Zugführer Timo Baldowsky für die Organisation des interessanten Dienstabends sowie bei unseren Kameraden vom Kreisfeuerwehrverband Plön, welcher uns das Brandhaus zur Verfügung gestellt hatte.

Gunnar Gradert – Pressesprecher