Es war ein rührender Wettlauf gegen die Zeit, der sich Mitte Juni in Raisdorf-Reuterkoppel abspielte. Was war passiert? Zwei Möwen wurden auf der Suche nach Maden von der Güllegrube eines Bauernhofs angelockt. Doch die vermeintliche Futterquelle wurde zur beinahe tödlichen Falle. Die Vögel stürzten in die zähe Masse. Ihre Flügel verklumpten sofort, was jedes Auffliegen unmöglich machte. Gefangen und völlig entkräftet drohten sie jämmerlich zu ertrinken.

Der aufmerksame Landwirt handelte sofort und informierte telefonisch unseren Gruppenführer René Stiem. Nach kurzer Absprache mit unserem stellvertretenden Wehrführer Lars Schell wurde sofort die kleine Drehleiterschleife unserer Raisdorfer Wehr ausgelöst. Die Retter rückten bewusst ohne Sonderrechte an, um keine Unruhe zu verbreiten. Am Einsatzort zählte jede Sekunde, doch die unsichtbare Gefahr durch giftige Methangase war groß. Unter Atemschutz brachten unsere Kameraden die Drehleiter in Stellung. Mit viel Fingerspitzengefühl befreiten sie die beiden verängstigten Tiere aus ihrer lebensbedrohlichen Lage.

Zurück auf sicherem Boden folgte der emotionalste Moment: Die Kameraden reinigten die verklebten Flügel behutsam von der schweren Last. Sichtlich erleichtert wurden die beiden Glücksvögel schließlich in die fürsorglichen Hände von Tierbetreuern übergeben. Wenn die beiden Möwen wieder ihre Schwingen ausbreiten und sich in den blauen Himmel über Schleswig-Holstein erheben, dann verdanken sie ihr Leben dem schnellen Handeln eines Bauern und dem selbstlosen, mutigen Einsatz unserer Kameraden. Ein Einsatz, der einmal mehr beweist: Für unsere Feuerwehr ist kein Leben zu klein, um dafür alles zu geben.
Gunnar Gradert, Pressesprecher