Das Blaulicht unserer schweren Einsatzfahrzeuge zuckt durch die Straßen, während wir zum Hochhaus in der Straße Zum See 9 eilen. Die Meldung, die uns erreicht hat, lässt den Adrenalinspiegel sofort nach oben schnellen: Ein schwerer Unfall bei Bauarbeiten. Menschenleben sind in akuter Gefahr. Als wir am Einsatzort eintreffen, bietet sich uns ein Bild des Schreckens. Auf einem engen Baugerüst in schwindelerregender Höhe liegt ein schwerverletzter Arbeiter. Er ist bei Bewusstsein, kann sich aber nicht selbst befreien – jede Sekunde zählt.

Gleichzeitig drängt sich uns das nächste Drama auf: Auf einem Balkon im ersten Obergeschoss bricht eine Person ohnmächtig zusammen. Zwei Brandherde der Not, die uns zeitgleich alles abverlangen. Während die ersten Einsatzkräfte den Bereich absichern, bringen wir unsere Drehleiter DLA (K) 23/12 in Position. Bei dieser Form der Menschenrettung kommt es auf absolute Präzision an. Das tonnenschwere Fahrzeug muss stabil aufgestützt werden, bevor der Leiterpark computergesteuert ausfährt. Am Kopf der Drehleiter befindet sich ein Rettungskorb, auf dem wir eine spezielle Krankentragenhalterung, die so genannte Schwerlastkonsole, montieren.
Dann wird der Korb zur Patientenaufnahme millimetergenau an das instabile Baugerüst herangefahren. Ein Retter steigt über, sichert den Schwerverletzten medizinisch und lagert ihn extrem vorsichtig auf die Schleifkorbtrage, welche dann starr auf dem Korb fixiert wird. Mit sanften, fließenden Bewegungen steuert der Maschinist die Drehleiter wieder nach unten, um die Erschütterungen für den Patienten so gering wie möglich zu halten. Die Person ist gerettet und kann an den Rettungsdienst übergeben werden!

Parallel dazu kämpft der zweite Trupp am Balkon im ersten Obergeschoss. Hier greifen wir auf die klassische, aber hocheffektive Steckleiter zurück. Hierzu wird die Leiter wird im korrekten Winkel von circa 65 bis 75 Grad sicher am Balkon angestellt und von unten durch Einsatzkräfte gegen Wegrutschen gesichert. Die zu rettende Person wird dann im Rettungskorb langsam hinuntergelassen. Als beide Personen sicher an den Rettungsdienst übergeben sind, fällt die Anspannung von uns ab.
Erst jetzt, als der Puls sich langsam wieder normalisiert, löst sich das dramatische Szenario auf: Es war kein Ernstfall. Was am Montagabend, den 19. Oktober 2026, so real wirkte, war eine perfekt inszenierte Einsatzübung. Ausgearbeitet worden war dieses fesselnde und fordernde Szenario von der Gruppe 4 unter der fachkundigen Leitung von Gruppenführer Tobias Monreal. Solche Übungen sind unser Fundament – damit im echten Ernstfall jeder Handgriff ohne langes Nachdenken sitzt.
Gunnar Gradert – Pressesprecher