Am Abend des 17. August 2026 hieß es für uns bei der Freiwilligen Feuerwehr Raisdorf wieder: Ärmel hochkrempeln, Wissen auffrischen und Handgriffe festigen. Auf dem Dienstplan stand eine umfassende Stationsausbildung. Weil moderne Feuerwehren längst nicht mehr nur Löschfahrzeuge bei Bränden besetzen, ist unser Aufgabengebiet riesig. Um im Ernstfall sekundenschnell und fehlerfrei zu funktionieren, teilten wir uns an diesem Abend in drei Gruppen auf und trainierten intensiv drei Kernbereiche unseres Einsatzalltags.

Unter der erfahrenen Leitung unseres Zugführers Timo Baldowsky widmete sich die erste Gruppe der Notfallrettung. Die Notfallrettung umfasst alle medizinischen und technischen Sofortmaßnahmen, die direkt an der Einsatzstelle durchgeführt werden, um das Leben von verunglückten oder akut erkrankten Personen zu retten. Es geht darum, Patienten aus lebensbedrohlichen Lagen zu befreien, sie medizinisch erstzuversorgen und den Transport in eine Klinik vorzubereiten.

Wir als Freiwillige Feuerwehr werden in der Notfallrettung meistens bei schweren Verkehrsunfällen, Arbeitsunfällen oder als sogenannte „First Responder“ (Voraushelfer) alarmiert. Wenn der reguläre Rettungsdienst eine längere Anfahrt hat, überbrücken wir die Zeit, reanimieren, stoppen kritische Blutungen oder stabilisieren Verletzte. An dieser Station übten wir die strukturierte Patientenbeurteilung und vertieften den Umgang mit Spineboard, Halswirbelsäulen-Schienen und Beatmungsbeuteln. Das Ziel ist klar: Jeder von uns muss im Schlaf wissen, wie wir den Rettungsdienst bestmöglich unterstützen.

Die zweite Station führte uns zu Gruppenführer Karsten Schneider, der mit uns das breite Feld der Technischen Hilfeleistung (TH) durchging. Technische Hilfeleistung ist ein Sammelbegriff für alle Einsätze, bei denen nicht das Löschen von Feuer im Vordergrund steht, sondern das Abwenden von Gefahren durch technische Defekte, Unfälle oder Naturereignisse. Hier arbeiten wir mit Hebelkräften, Hydraulik und schweren Maschinen, um blockierte oder verkeilte Strukturen zu bewegen.

Das Spektrum reicht vom klassischen Verkehrsunfall – bei dem Personen mittels hydraulischer Schere und Spreizer aus einem Wrack befreit werden müssen – über umgestürzte Bäume nach einem Sturm bis hin zu Gefahrguteinsätzen oder dem Auspumpen von Kellern bei Hochwasser. Karsten Schneider forderte uns an diesem Abend besonders beim Sichern und Unterbauen von Lasten. Wir simulierten, wie schwere Gegenstände, hier ein Feuerwehrfahrzeug, kontrolliert angehoben werden, ohne dass sie abrutschen und Einsatzkräfte oder Verletzte gefährden.

Bei Gruppenführer Tobias Monreal drehte sich an der dritten Station alles um das Thema Fenster- und Türöffnung. Hierbei handelt es sich um spezielle Handwerkstechniken und den Einsatz von filigranem Werkzeug, um verschlossene Gebäude oder Wohnungen schnell und im Idealfall ohne großen Sachschaden zu betreten. Es ist die Kunst, mechanische Verriegelungen kontrolliert zu überwinden, wenn der normale Zugang blockiert ist. Dieser Einsatzbereich hat in den letzten Jahren massiv zugenommen.

Wir werden meistens dann gerufen, wenn der Rettungsdienst oder die Polizei vor einer verschlossenen Tür stehen und sich dahinter aber eine hilflose Person in einer medizinischen Notlage befindet (beispielsweise nach einem Sturz oder Schlaganfall). Auch bei vermutetem Gasgeruch oder der klassischen „Rauchentwicklung aus Wohnung“ müssen wir uns Zutritt verschaffen. Tobias Monreal zeigte uns Kniffe beim Umgang mit dem Zieh-Fix-Gerät, dem Fräsen von Zylindern und dem zerstörungsfreien Öffnen von gekippten Fenstern.

So stellen wir sicher, dass wir im Ernstfall kostbare Zeit sparen und Schäden am Eigentum unserer Mitbürger minimieren. Nach mehreren Stunden intensiven Trainings, schweißtreibender Arbeit und konstruktivem Feedback untereinander endete unser Dienstabend. Das Zusammenspiel dieser drei Disziplinen zeigt perfekt, wie vielseitig das Ehrenamt in unserer Wehr ist. Dank der exzellenten Vorbereitung durch Timo, Karsten und Tobias gehen wir wieder ein Stück sicherer und besser vorbereitet in die nächsten Einsätze – für die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger in Schwentinental und drumherum!

Gunnar Gradert – Pressesprecher