Dichter, pechschwarzer Rauch quillt aus den Toren der großen Lagerhalle auf dem landwirtschaftlichen Betrieb der Familie Krohn in Neuwühren. Was als Routine-Reparatur an einem Mähdrescher begann, hat sich innerhalb von Minuten in ein dramatisches Szenario aus Feuer und Qualm verwandelt. In der Gemeinde Pohnsdorf schrillen die Sirenen – doch unsere örtliche Nachbarwehr ist bereits bei einem anderen Einsatz gebunden. Die Zeit läuft unbarmherzig ab. In dieser kritischen Situation werden wir von der Freiwilligen Feuerwehr Raisdorf alarmiert.

Jede Sekunde zählt. Schon beim Eintreffen am Hof bietet sich uns ein Bild des Schreckens. Die riesige Halle ist komplett verraucht, die Sichtweite liegt bei Null. Ein tückischer Schwelbrand frisst sich durch das Gebäude. Aus dem dunklen Inneren dringen verzweifelte Hilferufe nach draußen. Vier Personen werden vermisst. Sie sitzen in der Falle, es besteht akute Lebensgefahr! Sofort wird der Befehl zur Menschenrettung gegeben. Unter schwerem Atemschutz bahnen sich unsere Retter den Weg in das undurchdringliche Grau. Die Belastung ist extrem, die Hitze drückt. Höchste Eile ist geboten, denn in der Halle lagern Unmengen an trockenem Getreide – ein gigantisches Pulverfass.

Ein einziger Funke könnte eine fatale Staubexplosion auslösen. Während unsere Atemschutztrupps in der Halle um das Leben der Vermissten kämpfen, bricht draußen logistischer Hochbetrieb aus. Das Feuer droht, auf die angrenzenden Gebäude überzugreifen. Im Rückwärtsgang positioniert sich unsere Drehleiter. Meterhoch über dem Hof sichern die Einsatzkräfte die Dachkanten, um eine Riegelstellung aufzubauen und das Nachbargebäude vor den gierigen Flammen zu schützen.

Zeitgleich wird an der Rückseite der Halle eine massive Löschwasserversorgung aufgebaut, um den Brand von mehreren Seiten in die Zange zu nehmen. Minuten fühlen sich an wie Stunden. Dann die erlösende Nachricht über Funk: Alle vier vermissten Personen wurden von den Atemschutztrupps im dichten Rauch lokalisiert, ins Freie transportiert und an den bereitstehenden Rettungsdienst übergeben.

Das Schlimmste ist abgewendet. Erst als der Rauch abzieht und die Halle gesichert ist, fällt die Anspannung von den erschöpften Gesichtern unserer Kameraden ab. Zum Glück floss bei diesem dramatischen Szenario am 06. Juli 2026 kein echtes Blut, weil es sich um eine groß angelegte Einsatzübung unserer Wehr handelte. Und weil wir in Neuwühren in einem für uns fremden Beritt wilderten, war diese Übung selbstverständlich mit unseren Kameraden von der Feuerwehr Pohnsdorf abgesprochen, die terminlich anderweitig gebunden war.

Ein ganz großer Dank gilt unserem Gruppenführer René Stiem, der dieses komplexe und packende Szenario wie immer absolut professionell und realitätsnah vorbereitet hatte, an die Realistische Notfalldarstellung des DRK Kiel, die mit täuschend echten Wunden und schauspielerischem Talent für den nötigen Adrenalinkick sorgte, sowie an die Johanniter-Unfall-Hilfe für die reibungslose Zusammenarbeit. Ein ganz besonderer Dank gebührt der Familie Krohn, die ihren Hof für diese lebenswichtige Übung zur Verfügung gestellt hatte.

Wer nach diesem Schreckmoment den Hof der Familie Krohn im Alltag besucht, findet dort zum Glück keine Rauchschwaden vor, sondern puren Genuss: Der landwirtschaftliche Betrieb ist weit über die Grenzen von Neuwühren hinaus bekannt für seinen fantastischen Hofladen mit moderner Milchtankstelle – und für die wohl größten und leckersten Eier der gesamten Region! Dank des unermüdlichen Einsatzes der Feuerwehr bleibt dieser idyllische Ort auch in Zukunft sicher.

Gunnar Gradert – Pressesprecher