Am Montag, den 05. Oktober 2026, hatten wir, die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Raisdorf, die exklusive Gelegenheit, ein echtes Kieler Urgestein der maritimen Wirtschaft zu besuchen: die Anschütz GmbH in Kiel-Wik. Organisiert wurde dieser faszinierende Abend von unserem stellvertretenden Wehrführer Lars Schell, der im Unternehmen als Führungskraft in der Position des Head of Service tätig ist.
Unser Weg führte uns direkt in die hochmodernen Hallen des Navigations-spezialisten. Dort erwartete uns ein von Lars Schell perfekt organisiertes Programm, das uns von den Anfängen der modernen Seefahrt bis hin zur autonomen Zukunft der Schifffahrt führte. Der Name Anschütz ist untrennbar mit einer weltberühmten Erfindung verbunden, die die Schifffahrt revolutioniert hat: dem Kreiselkompass.

Im Jahr 1905 gründete der Wissenschaftler Dr. Hermann Anschütz-Kaempfe die Firma Anschütz & Co. in Kiel. Seine Motivation war so genial wie praxisnah: Er wollte ein Navigationsinstrument entwickeln, das im Gegensatz zum herkömmlichen Magnetkompass völlig unbeeinflusst von der stählernen Schiffshülle oder dem unzuverlässigen Erdmagnetfeld funktioniert.
Das Ergebnis war der bereits erwähnte Kreiselkompass, den Anschütz im Jahr 1907 als weltweit ersten nordsuchenden Kompass dieser Art vorstellte. Die Erfindung war so wegweisend, dass sich sogar Albert Einstein ab 1915 intensiv einbrachte. Aus einem Patentstreit entstand eine tiefe Freundschaft, und Einstein half tatkräftig dabei, die Technik – insbesondere durch die Entwicklung eines kugel- und flüssigkeitsgelagerten Kompasses – entscheidend zu verbessern.
Von Kiel aus trat der Kreiselkompass seinen weltweiten Siegeszug an und ist bis heute Standard auf den Weltmeeren. Ein ganz besonderes Highlight unseres Besuchs war der Rundgang durch das Anschütz-Museum. Dieses wurde von Lars Schell gemeinsam mit weiteren engagierten Kollegen in Eigenregie und mit viel Herzblut im Unternehmen eingerichtet. Hier konnten wir historische Originalexponate bestaunen und die handwerkliche Präzision sowie den Innovationsgeist nachvollziehen, die das Unternehmen seit über 120 Jahren prägen.

Gleich im Anschluss ging es für uns direkt in die Gegenwart und Zukunft: Wir durften den Leitstand einer modernen Schiffsbrücke besichtigen. Hier wurde hautnah erlebbar, wie komplex die Steuerung moderner Riesenschiffe, Yachten oder Spezialfahrzeuge heute ist und wie alle Fäden der modernen Navigation digital zusammenlaufen.
Heute hat sich die Anschütz GmbH zu einem global führenden Hersteller und Integrator von hochentwickelten Navigations-, Brücken- und Missionssystemen entwickelt. Am Hauptsitz in Kiel-Wik entwickeln und fertigen die Experten innovative Lösungen für die zivile und behördliche Schifffahrt. Zum aktuellen Produktportfolio gehören Integrierte Brückensysteme (IBS) und hochentwickelte Autopiloten, Missionssysteme für die Marine, Küstenwachen und U-Boote sowie Zukunftstechnologien im Bereich der autonomen Navigation und modernster Cyber-Security-Lösungen für maritime Anwendungen.
Das Unternehmen, das nach einigen Jahren unter US-amerikanischer Flagge mittlerweile wieder Teil einer familiengeführten deutschen Unternehmensgruppe (DMB) ist, beweist eindrucksvoll, wie Tradition und modernste Softwareentwicklung erfolgreich Hand in Hand gehen.

Dieser Besuch hat uns allen nicht nur technisch und historisch absolut begeistert, sondern auch den Blick für die maritime Spitzenklasse direkt vor unserer Haustür geschärft. Ein ganz großes Lob und ein herzliches Dankeschön gelten Lars Schell! Dank seines persönlichen Einsatzes, seiner Initiative beim Aufbau des Museums und seiner großartigen Organisation wurde uns dieser exklusive und unvergessliche Einblick überhaupt erst ermöglicht.
Gunnar Gradert – Pressesprecher